SPON macht auch immer mehr Populismus, zumindest wenn es um Web-Technologie / -Politik geht. So kommt mir zumindest ein Artikel über Werbeschaltungen im Internet vor.
Der gesamte Artikel, von der Überschrift bis hin zur vermeintlichen “Aufklärung der Geldflusses” ist eine reine, einseitig betrachtete Sachlage. Oder anders ausgedrückt, die gefickten sind die Publisher die Werbung schalten und die Werbevermarkter, die die Aufträge von Agenturen erhalten.
Ich bestreite nicht, das Werbung auf “grauen” Webportalen geschaltet wird. Ich bin auch kein Journalist. Gott behüte, ich will ja von meiner Arbeit gut leben. Aber in dem ganzen Artikel wird nicht einmal ausführlich auf die Frage des “warums” eingegangen.
Denn das ist die einfachste. Diese Seiten haben enorm hohe Besucherzahlen.
Und aus Ermangelung vernünftiger, ansprechender Werbestrategien, muss man die Conversations halt etwas pushen. Also wird unter der Hand das OK für solche Schaltungen gegeben.
Die Vermarkter freut es, denn diejenigen die dort ihre Schaltungen verbreiten, haben nicht zuletzt Konditionen von 30/70 für sich ausgehandelt. Also, 30% für die Publisher (Webseiten-Betreiber), der rest an die Vermarkter. Es soll auch vorkommen, das kleingedruckte Passagen von Zeitsperren erzählen. Das eine einblendung z.B. erst nach 5 bis 10 Sekunden gezählt wird. Was ärgerlich ist, denn der Vermarkter selbst rechnet der Agentur die sofortige Einblendung ab.
Aber, davon mal abgesehen, ist der wohl schwerwiegenste Punkt die Faulheit von Agenturen und Auftraggebern, ihre eigene Arbeit zu kontrollieren.
Viele Vermarkter, wie Mirando (Vorsicht, Schleichwerbung!) sind transparent was die Verteilung der Werbung angeht. D.h. man kann als Auftraggeber einerseits festlegen, für welche Seiten die eigene Werbung gedacht ist und andererseits im nachhinein nachprüfen, wo sie tatsächlich landete.
Also einfach nachsehen und gut schlafen. Aber wer will das schon? Wer will schon Personal abstellen, um solche Recherchen zu fahren? Die betroffenen aus dem Artikel scheinbar nicht
Am Donnerstag benachrichtigte die Redaktion die betroffenen Unternehmen - darunter E-Plus, Karstadt, Jamba, Kabel Deutschland, Friendscout24, Congstar, Strato und Premiere. Die Unternehmen waren überrascht. Alle schließen laut eigenen Aussagen Werbung auf solchen Angeboten aus.
Eine meiner Lieblingsthesen ist es aber auch, das ich einfach mal behaupte das Unternehmen wie Kabel Deutschland, Friendscout oder Strato ein strategisches Interesse haben, auf solchen “grau”-Webseiten zu werben. Immerhin bewegt sich da ihre Klientel.
Aber freilig würde das keiner zugeben.
Jetzt wo ich darüber schreibe erinnert mich das Vorgehen an die aktuelle Diskussion rund um die “neue” rechtliche Handhabe journalistischer Interviews: erst produzieren, dann schaun wie es läuft und wenn es auf einmal nicht passt, draufhaun und auf unschuldig tun.
Was bei Gewaltverbrechern klappt, klappt auch bei Agenturen.
Und der Journalismus bei SPON kapituliert langsam an der schnellen Entwicklung des Internets. Schade.