2015-06-28

Neues Projekt, neue Erkenntnisse

Micromanagement oder Leine lassen im Projektmanagement? Verspielter Technologie-Stack oder auf das einfachste herunter gebrochen? Schnelle, kleine Releases oder dicke, perfektionierte Pakete raushauen?

Das sind Themen die mir in den ersten Wochen der Selbstständigkeit, und der Arbeit in dem dazugehörigen Projekt, durch den Kopf gingen.

Dazu muss erwähnt werden, das ich mich schon lange nichtmehr so wohl in einem Projekt, und Team, gefühlt habe.

Woran das liegt? Neben einfachen Sachen wie, das man nicht total abgefuckt ist im Büro zu sein, sich aus Desinteresse (nicht Langeweile!) mit anderen Sachen beschäftigt und die geplante Umsetzungszeit bis zur letzten Sekunde ausdehnt, sehe ich es vor allem daran das man neben der eigentlich eingeplanten Arbeitszeit weitergehendes Interesse an dem Projekt zeigt.

Obwohl es nicht das eigene Projekt ist, man nur eine begrenzte Zeit daran beteiligt ist, beschäftigt man sich einfach damit. Nicht nur mit dem wofür man eigentlich da ist, der Technik, sondern mit allem was das Produkt eben ausmacht: Art, Marktsegment, Ausrichtung, Vertrieb, Team, Leute, Kekswahl, Arbeitsweisen, etc.

Und das ganze eigenständig, und ohne aktiven oder passiven Zwang.

Das ich dies hier so explizit erwähne hat einen Grund: Verbundenheit zu einem Projekt, einer Arbeit, kann man nicht Forcieren.

(Ok, man kann es. Es ist nur ziemlich dumm und nicht langfristig gedacht)

Dieser Fehler wird aber gern gemacht. Vor allem in Startups. 50% meiner bisherigen Projekterfahrungen aus der Ecke.

Meistens Unternehmen oder Teams, die sich entweder nicht zu helfen wissen wie man seine Team-Mitglieder organisiert, oder eben noch keine akzeptable Erfahrung in Personalführung vorhanden ist.

Oder anders: Sag einem Kind, das es nicht auf die heisse Herdplatte greifen soll. Wer das befolgt, wird nie wissen warum das eine dumme Idee ist.

Die meisten Kids, weil man in dem Alter noch nicht abgestumpft ist, greifen trotzdem zu, verbrennen sich die Hand. Heulen, schreien und … wissen künftig, wieso man man nicht auf heisse Sachen greift.

Aber was ist das tollste daran? Sie hätten es genauso begriffen, wenn man es ihnen nicht verboten hätte.

Man lernt langfristig eben durch Erfahrung, und nicht (nur) durch Vorgaben.

Befehlsempfänger sind super als Blumenhalter oder Straßenzierde, aber nicht in einem Projekt das voran gehen soll.

Bei Startups ist das noch eine andere Sache. Hier kommt die Situation hinzu das Junggründer sich, wenn alles gut läuft, plötzlich in einer Position sehen die mehr Verantwortung mit sich bringt. Und vor allem Verantwortung in Bereichen, die nicht ihre Kernfunktion sind: eben Mitarbeiterführung.

Am ehesten macht sich das darin bemerkbar, was die die Ansprüche an das Team sind. Gern vergessen Gründer, das ihr Team meist nicht nur aus jenen besteht die das Unternehmen gründeten, sondern auch Angestellten. Mitarbeiter, die in erster Linie für ihren Lohn da arbeiten, und nicht des Projektes, des eigenen “Babys”, wegen.

Unternehmen die das nicht verstehen haben ziemlich sicher auch einen Hang zum Micromanagement von Projekten. Ein Konzept, das mit zu den schlimmsten Arbeitsbedingungen gehört, neben entkoffeinierten Kaffee und Reiswaffeln als kostenloses Knabberzeugs in der Küche.

Wer seinen Mitarbeitern, seinen Teammitgliedern, jeden Handgriff nachkontrolliert hat ein ernsthaftes Problem im Projekt. Denn es ist nicht nur ineffizient für jenen der diesen Hang hat, sondern auch schädigend.

Schädigend was das Vertrauen und der Stimmung innerhalb des Teams angeht, weil man nichtmehr Eigenverantwortlich arbeitet sondern primär, um es seinen “Wärter” recht zu machen.

Die Kommunikation leidet darunter, denn wer will schon frei reden wenn jeder Wink kontrolliert wird?

Und ultimativ ist es schädigend für das Unternehmen selbst. Nicht viele machen das gern mit, und verlassen das Unternehmen. Je nach Qualifikationsstand entsteht ein Schaden wo man sich vielleicht mal hätte überlegen können, ob mehr Leine so problematisch gewesen wäre.

Nach einer kurzen Periode in genau so einer Umgebung ist es sehr erfrischend, die andere Seite wieder zu entdecken. Eine Seite, die auch zeigt das man weniger technischer Raffinesse, und dem einem Prinzip der “Ego-losen Produktentwicklung” voran geht.

Hier wird zur Abwechslung der Schwerpunkt darauf gelegt, ein Produkt so schnell wie möglich auszubauen. Ohne große technische Experimente.

Denn die sind zu diesem Zeitpunkt nicht wichtig.

Auch hier gibt es bekannte (Startup) Krankheiten. Aber die wiegen nicht so schwer als bisher anderswo.

Und wie äußert sich das in harten Fakten?

  • “Marktfertig” in wenigen Tagen

  • Kein perfektes, aber solides Produkt

  • Produktaktualisierungen im wöchentlichen Rhythmus. Egal ob dicke Features oder kleine Änderungen

  • Ein klassischer, dünner und einfacher Technologie-Stack, in dem neue Team-Mitglieder sich sehr schnell zurechtfinden

  • Eine kontinuierlich stark wachsende Community in dem Marktsegment.

  • Ein zufriedenes Team, im Büro oder bei einem ungezwungenem Bierchen

Home Writing Rides Travel Photos Journal