2007-10-04

Webdesign auf mobilen Endgeräten

Lucas Pettinati hat gestern (nach MEZ? ;)) einen nicht uninteressanten Artikel bezüglich der Layoutoptimierungen auf mobilen Endgeräten veröffentlicht. Sehr interessante Punkte sind das. Und in vielen kann ich ihm auch zustimmen. “Vielen”? Ja genau, in vielen aber nicht allen. Lucas argumentiert aus technischer Sicht bzw. als Designer über die Gründe, wieso viele Webseiten und -anwendungen so sind wie sie sind. Nämlich meist unhandlich. Argumentiert wird über Layouts bis hin zur Usability. Das Desktop- bewährte Benutzerführungen auf mobilen Geräten nicht funktionieren. … und irgendwie muss ich verschlafen haben das der Artikel wohl mehr eine iPhone-Produktwerbung als eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Egal.

Schlussendlich werden noch technische Hürden in Smartphones und Handies angeführt. Ich glaube, das war der 2. oder 3. Absatz vor Schluss.

Grundsätzlich hat er ja Recht. Bis auf eine Sache, “Schuld” an dem aktuellen Stand haben nicht die Plattformbetreiber, die ihre Angebote nicht mobil-gerecht aufwerten, sondern vielmehr Telekomprovider und Gerätehersteller.

Denn Entwicklungen im Webbereich hängen immer von der Kundenakzeptanz ab. Man kann demnach die Entwicklungen des herkömmlichen Internets zwischen 1998 und ~2004 mit denen des Mobilfunkmarktes vergleichen.

Zwischen 1998 und 2004 vielen rapide die Datenübertragungskosten für Privatanwender und im gleichen Verhältnis stiegen die Datendurchsatzraten für DSL-Leitungen.

Durch diese Öffnungen des Telekomunikationsmarktes (Preise, Geschwindigkeit) stieg auch die Innovation im Anzweifeln bisheriger Softwarestandards (Windows, Netscape, IE) und damit die Entwicklung von Opensource-Software.

Entwicklungen von freier Software sind nicht immer von Erfolg geprägt, was mit der Zusammensetzung der Teams und eigenen Ideen zusammenhängt (“Entwickler sind egoistische Arschlöcher!”). Jedoch folgten auf 100 Rohrkrepiern mindestens eine vernünftige Entwicklung: Apache HTTPd,Mozilla, Firefox, diverse Standards, etc. .

Nur durch diese Leistungen, die Massentauglichkeit des Internets durch die Öffnung des Telekommunikationsmarktes für Bandbreitenzugänge sowie die andauernden, energischen Leistungen innovativer Entwickler im Opensource-Bereich, die dadurch die großen Konzerne selbst immer wieder antreiben ihre Produkte zu verbessern, führten zu dem heutigen Stand im Netz.

Der mobile Markt hat das aber wohl verschlafen. Oder die Anbieter waren gar nicht daran interessiert. Die Provider öffnen nur zögerlich ihre Preise für Datenübertragungen im großen Stil. Das einzigst Große daran sind die Preise, die man als z.B. UMTS-Nutzer zahlen muss. (Datenflatrates wie die von Eplus sind toll!)

Durch diese zögerliche Öffnung entwickeln natürlich Handy-Anbieter keine Geräte, bei denen Usability und Benutzerführung im Webbereich einen hohen Stellenwert geniesen. Geschweige denn Geräte, auf denen Browser laufen, für die man sich nicht einen abbrechen muss, um eine Plattform darauf zu optimieren. Warum auch. Die Entwicklung solcher Geräte kostet Geld. Geld, die Telekomprovider sicherlich nicht in ihren Partnerangeboten zahlen wollen, da ja sowieso kein Kunde darauf zurückgreift, was wiederum an den hochenden Kosten für die Endanwender liegt. Ein Teufelskreis.

Ok, nun kann man aber auch mit Recht sagen, das es mittlerweile genug Handys und Smartphones gibt, die internettauglich sind. Die einen hübschen Opera Mini (oder Mobile) Browser nutzen und nur darauf warten, genutzt zu werden.

Pustekuchen. Webseiten kann man auf Handys/Smartphones mit ihren vielleicht max. 8 Zoll großen Displays in unterschiedlichsten Auflösungen, nicht genauso darstellen wie auf einem “normalen” 15”/17”/21”-Bildschirm. Ok, man kann. Der Browser passt die Seitenverhältnise auf den Geräten entsprechend an. Aber da krieg ich als Nutzer doch das kotzen, wenn ich eine Seite wie Spiegel.de proportional klein auf so einem Display sehe. Von der Werbung mal ganz zu schweigen ;).

Also muss man die Seiten für mobile Geräte anpassen. Hier kommt dann wieder Lucas Pettinati in’s Spiel, der (am Beispiel des versteckten Produktmarketings rund um’s iPhone) beschreibt, worauf es bei mobilen Endgeräten seiner Ansicht nach ankommt. Find ich immernoch gut. Nur, gibt es noch ein ganz ganz ganz ganz kleines Hinternis. Als Künstler achtet man da vielleicht nicht drauf. Als Guru vielleicht noch weniger, aber die Mauer ist trotzdem da: das Geld. Die wenigsten Kunden zahlen für solche Optimierungen, da sie keinen eigenen Mehrwert sehen, was wiederum in den oben beschriebenen technischen und finanziellen Gründen liegt.

Zusammengefasst: Es ist super, wenn man bei solchen Artikeln auf die technische Realisierung von Onlineangeboten schaut. Aber wichtiger ist meiner Ansicht nach das Fundament, auf den solche Innovationen ruhen. Und das ist (zumindest hier bei uns in Deutschland) leider erst abgesteckt, aber nicht gegossen.

Das gilt auch für’s iPhone. Auch ein Apple IMac kann noch so toll sein. Wenn man ihn aber nicht nutzen kann, weil die Verbindungsgebühren einer monatlichen Kaltmiete entsprechen, pisst das ziemlich an. Das gleichegilt für’s iPhone. Es es ist sicherlich dank Apple’s Egotrip (nur Safari, nur Webanwendungen, etc.) ein Meilenstein für Mobilegeräte, scheitert aber spätestens an hochenten Verbindungsgebühren im mobilen Netz.

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